Warum überhaupt das ganze??

Naja, also in meiner direkten Situation war es so, dass der Admin des Exchange Servers kündigte. Die Firma – in der es schon längerer Zeit Ambitionen gibt möglichst viel mit Linux / OSS zu betreiben – entschied sich dann keinen Admin für Exchange mehr einzustellen. Die Windows Administration war bereits auf das nötigste heruntergefahren. Die Hauptsysteme laufen bereits auf Linux – bis auf den Mailserver. Der Mailserver unter Exchange war über ca. 10 Jahre gewachsen. Niemand hat sich so richtig damit beschäftigt; kennt sich aus. Nach dem Weggang des Admins reduzierte sich die Administration auf das wirklich notwendigste – man wollte ja auf Linux und eine offene Lösung setzen.

Warum dort überhaupt ein Exchange Server steht, wenn doch alle eigentlich Linux machen möchten? Naja, ich denke weil das doch alles so einfach geht ;-) Viele Firmen – und ich spreche hier nur über Mittelstand – sind in den letzten Jahren gewachsen. Teilweise auch recht stark. Firmen die recht früh erkannt haben, dass die eMail sich zu einem wichtigen Kommunikationsmittel mausert, suchten nach einer einfachen Lösung. Naja, wenn der Windows Admin dann mal schaut, kann er sich einfach mal den Exchange Server herunterladen und innerhalb von kürzester Zeit ist so ein Ding zusammengeklickt und scheint zu funktionieren. Die paar Lizenzen sind ja auch kein Problem. Es brauchen ja nur wenige eine eMailadresse – die Kosten waren überschaubar. Doch dann wurde die eMail immer beliebter. Quasi jeder in einem Unternehmen sollte eine eigene Adresse haben und damit intern und extern kommunizieren können. Es war ja auch so einfach irgendwelche Anweisungen einfach per eMail an “Jeden” zu schicken. Damit war der Informationspflicht genüge getan (wenigstens für einige Bereiche). Jeder Benutzer benötigte eine eigene Lizenz für den Exchange Server. Möchte man den Exchange Fatclient “Outlook” auch nutzen, so wird dafür ebenfalls eine Lizenzgebühr fällig. Je mehr Mitarbeiter eine eMailadresse bekamen, desto mehr Kosten entstanden. Damit konnte ja anfangs niemand rechnen ;-)

Ich denke gerade im Mittelstand sind einige Firmen so oder so ähnlich in die Lizenzfalle geraten und würden sich wünschen, dort wieder heraus zu kommen.

Ob die Motivation nun aus einer Situation wie bei mir, aus Überzeugung oder vielleicht aus Sicht der Kostenkalkulation / Lizenzsituation entsteht ist an sich egal. Wenn man migrieren möchte, dann sollte …

  • die neue Lösung alle Funktionen bieten, die heute quasi zu Standard gehören (beispielsweise IMAP, SPAMChecks, SSL an der ein oder anderen Stelle, …)
  • die neue Lösung Groupware Funktionalitäten bieten (shared Calendar, shared Addressbook, …)
  • ein Webinterface mit allen Funktionen sollte zur Verfügung stehen
  • die Migration sollte möglichst ohne “viel” Aufwand möglich sein
  • die Migration neue/bessere Funktionen bieten, man möchte aber auf nichts verzichten
  • die Migration so ablaufen, dass der Benutzer absolut nichts davon merkt
  • es keine Lizenzen mehr geben, vor allem nicht per Benutzer
  • und zu guter Letzt soll das ganze natürlich performanter laufen als das alte System

Soweit der Wunschzettel für den Nikolaus.

Ob alle oder Teile dieser Punkte überhaupt realistisch sind, sei mal dahin gestellt. Das ein oder andere wird sich in den nächsten Artikeln in Wohlgefallen auflösen.