In dem Artikel „Neue CPUs langsamer als neue“ vom 29.01.2015 stellte sich durch einen Hinweis heraus, dass neue Server (wenigstens von HP und Dell) standardmäßig mit „Handbremse“ ausgeliefert werden. Mit Handbremse daher, dass sie mit dem aktivierten „Balanced Powermanagement“ Profil ausgeliefert werden. Je nach Anwendung bremst diese Einstellung einen Server massiv aus. Möglicherweise ist das Problem auch, dass das System nicht erkennt wenn entsprechende Anforderungen an den Server gestellt werden und die Leistung dann erhöhen müsste. In unserem Fall kamen wir nach der Änderung des Profils von „Balanced“ in „Performance“ auf die erwartete Leistung.

Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung …

Die neue Einstellung konnte dann einigen Servern ein wenig auf die Sprünge helfen.

… bis gestern

Ein wirklich zorniger HP DL980G7 – ein Server mit 8×8 Cores, CentOS 7, … – der für die an ihn gestellte Anforderung mehr als 4x so lange benötigte als das „alte“ System mit 4×8 Cores. Einfach, hab ich gedacht. Da wird das Powermanagement im Bios noch auf „Green IT“ stehen. Einstellungen geprüft, auf Performance geändert – nix. Nix? Nix! Keine Änderung. Hmmmm… ok.

Da ACPI schon für viele komische Verhaltensweisen verantwortlich war, habe ich ACPI im Kernel komplett deaktiviert. Dadurch stand HyperThreading nicht mehr zur Verfügung, jedoch lief das System nun in der erwarteten Geschwindigkeit. Das ganze war nicht wirklich zufriedenstellend.

Grüner Pinguin?

Da ohne ACPI die Leistung zur Verfügung stand, prüfte ich ob lokal auf dem System irgendeine Art throttling der CPU aktiv war – dieses würde ohne ACPI nicht funktionieren. Der mir bis dahin bekannte Daemon cpufreq(d) lief nicht und ich fand auch keine Konfiguration in dieser Richtung.

Beim durchblättern der gesamten Prozessliste fiel mir dann ein Prozess auf: tuned.

Ein bisschen suchen und siehe da „tuned is a dynamic adaptive system tuning daemon that tunes system settings dynamically depending on usage.“. Mir bis dahin unbekannt. Das Tool zur Administration lautet „tuned-adm“. Standardmäßig ist das Profil „balanced“ aktiv – war da nicht schon mal was mit balanced? Egal. Ein Listing der verfügbaren Profile:


root@dl980 ~# tuned-adm list
Available profiles:
- balanced
- desktop
- latency-performance
- network-latency
- network-throughput
- powersave
- sap
- throughput-performance
- virtual-guest
- virtual-host
Current active profile: balanced

Und ändern kann man das aktive Profil so:


root@dl980 ~# tuned-adm profile latency-performance

Am Ende funktioniert das ganze mit ACPI, allen 128 Prozessoren (HT)  😀 und Bumms.